Zevener Zeitung vom 01.06.2010
Landrat hält Plädoyer für die Gymnasien
Luttmann referiert auf CDU-Kreisparteitag – Skepsis gegenüber Haupt- und Gesamtschulen
SOTTRUM. Ginge es nach Landrat
Hermann Luttmann, würde sich
auch in Niedersachsen ein zweigliedriges
Schulsystem à la Sachsen
und Thüringen durchsetzen.
Die beiden ostdeutschen Bundesländer
hätten damit im Pisa-Vergleich
gut abgeschnitten, die soziale
Herkunft spiele für den Abschluss
kaum noch eine Rolle
und Proteste wie hier gebe es gegen
die Schulpolitik nicht, bemerkte
er auf dem Kreisparteitag
der CDU in Sottrum.
Doch der Landkreis Rotenburg
liegt nun mal in Niedersachsen,
und damit hat es Luttmann vor
allem mit dem dreigliedrigen System
und seit einiger Zeit verstärkt
mit dem Thema Gesamtschulen
zu tun. Gegen letztere sperre er
sich nicht und er wünsche der
neuen Kooperativen Gesamtschule
in Sittensen ebenso viel
Erfolg wie der KGS Tarmstedt, so
der Landrat. In mehreren Passagen
machte er jedoch deutlich,
dass er Gesamtschulen mindestens
für überschätzt hält. Sie seien
dem dreigliedrigen System
nicht überlegen, vielfach einfach
nur besser ausgestattet worden.
Er sei sich sicher, dass die Akzeptanz
für eine Gesamtschule bei
den Eltern sinkt, wenn ein Gymnasium
in der Nähe ist.
Wer weitere Gesamtschulen im
Kreisgebiet errichten will, gefährdet
gerade auch gymnasiale
Standorte in der Fläche, betonte
Luttmann. Dies jedoch lehne er
ab. Gesamtschulen werde er nur
genehmigen, wenn die Eltern dies
wollen, wenn die gesetzlichen
Vorgaben eingehalten werden
und wenn sich die von einer solchen
Entscheidung betroffenen
Gemeinden auf einen Standort einigen,
führte Luttmann aus.
Sein Ziel ist es, die Gymnasien
zu erhalten und mittelfristig
Haupt- und Realschulen zusammenzulegen.
Eigenständige
Hauptschulen werden nach seiner Überzeugung im bisherigen
Maße nicht mehr aufrechterhalten
werden können, weil die Akzeptanz
für diese Schulform rapide
gesunken ist – trotz aller Bemühungen,
ihnen ein sehr berufsorientiertes
Profil zu verleihen.
Insbesondere den Eltern gab er
mit auf den Weg, ihren Kindern
nicht das Gefühl zu geben, sie
hätten versagt, wenn sie keine
Gymnasialempfehlung bekommen. „Auch viele andere Abschlüsse
führen zum Erfolg.“
Gelaufen ist für ihn die Entscheidung
für das Abitur nach
zwölf Jahren. „Das ist internationaler
Standard.“ Die Einführung
des verkürzten Gymnasiums sei
indes in vielen Ländern suboptimal
gelaufen, weil die Kinder nun
den selben
Stoff in zwölf
statt bisher 13
Jahren lernen
müssen. Da
müsse nachgebessert
werden.
Mit Blick auf
sinkende Schülerzahlen
ging
der Landrat in
seinem Vortrag
auch auf die
Situation an
den Grundschulen ein. Dass Bremervörde
die Dorfschulen schließen
will, ist in seinen Augen ein
Weg, leere Klassenzimmer zu vermeiden,
es gebe aber auch andere,
stellte er mit Blick auf die „Kombilösung“ in Rotenburg-
Waffensen heraus. In jedem Fall
sollten sich die Kommunen rechtzeitig
auf die Entwicklung in ihren
Dörfern einstellen, riet er. (oer)
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