CDU Kreisverband Verden
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Zevener Zeitung vom 27.02.2009

Kontrahenten mit Humor auf die Schippe genommen

350 Gäste amüsieren sich köstlich beim politisch-vergnüglichen Aschermittwoch der CDU in Selsingen

Selsingen (bz/mg). Wortwitz und und regionale Politprominenz, herzhaftes Grünkohlessen und deftige Wortwahl, zünftige Blasmusik und Fassbier in Strömen: Rund 350 Gäste amüsierten sich prächtig beim politisch-vergnüglichen Aschermittwoch des CDUGemeindeverbandes Selsingen.

Ein Trend setzte sich am Mittwochabend im „Selsinger Hof“ fort: Statt politische Fakten trocken herunter zu beten, nahmen die Akteure den Aschermittwoch traditionell zum Anlass, um politische Gegner humorvoll aufs Korn zu nehmen.
Der Gemeindeverbands-Vorsitzende Johann-Hinrich Meyer hieß etliche Ehrengäste willkommen, darunter den Bundestagsabgeordneten und kultur- und medienpolitischen Sprecher der CDU/CSUBundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, als Festredner.
Bevor das lange ersehnte Grünkohlessen serviert wurde, eröffnete Albert Rathjen den Reigen der christdemokratischen „Einheizer“: Der CDU-Kreisvorsitzende forderte Unterstützung sowohl bei der Bundestags- als auch bei der Europawahl ein: „Damit leisten Sie einen guten Beitrag für unsere Region.“ Rathjen prangerte die „Hilflosigkeit“ der Sozialdemokraten angesichts der Finanzkrise an und konstatierte, „dass die Welt aus den Fugen gerät“.

Ohne Alternative

In diesem Zusammenhang gebe es ohne Eingreifen des Staates „keine Rückkehr zur Normalität“. Nicht die Idee der Marktwirtschaft sei Grund der Finanzkrise, sondern vielmehr sei „die Effizienz der sozialen Marktwirtschaft“ ohne Alternative. „Das müssen wir den Menschen mindestens dreimal am Tag sagen“, so Rathjen.
Sodann folgte die kulinarische Stärkung zur Verdauung weiterer politischer Rundumschläge. Während Bajuwaren zu solchen Anlässen Schweinshaxe und Knödel genießen, gab es für die norddeutschen Christdemokraten ein deftiges Grünkohlessen. Selsingens Samtgemeindebürgermeister Werner Borchers mahnte mit Heinz Erhardts Gedicht „Der Spatz“ dazu, den Blick optimistisch nach oben zu richten.
Es folgte Gesa Abels originelle Hommage an Theodor Storm. Die Kandidatin für das EU-Parlament bemühte das „Knecht Ruprecht“- Gedicht des Poeten aus Schleswig-Holstein: „Von drauß' von Brüssel komm ich her; ich muss euch sagen, es rieselt Papier! Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich Bürokraten und Paragrafen sitzen; und droben aus dem Himmelstor sah mit großen Augen Roland Pofalla hervor. Und wie ich so strolcht´ durch den finstern Tann, da rief er mich mit heller Stimme an: Gesa Abel, rief er, altes Gestell, hebe die Beine und spute dich schnell! Und morgen flieg´ ich hinab zur Erden, denn es soll wieder Europawahl werden!“

Kurz und bündig, jedoch witzig und spritzig wie selten zuvor, erlebten die Besucher in Selsingen die Bundestagsabgeordnete Dr. Martina Krogmann. Die parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Fraktion nahm ihre politischen Kontrahenten auf die Schippe: „Die SPD-Parteistrategen haben erst jetzt gemerkt, dass ‚Frank oder Walter‘ besser ist als ‚Frank-Walter‘.“

Lange Namen

Wenn die Sozialdemokraten allerdings mit dem langen Namen ihres Außenministers kokettieren wollten: „Dann sollten die sich mal den Vornamen unseres neuen Wirtschaftsministers vor Augen führen: Dr. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester zu Guttenberg.“
Jetzt munkele man sogar, auch Guido Westerwelle wolle einen längeren Namen haben. Das aber halte sie für ein Gerücht. Krogmann zur Finanzkrise: „Hätten Investoren vor 18 Monaten lieber rund 1000 Euro statt bei der Commerzbank in Aktien in Bier investiert, so wäre der Preis für das Leergut heute mehr wert als ihr Wertpapier bei der Bank.“
Landrat Hermann Luttmann erklärte die weltweite Finanzkrise anhand der Karriere der Kneipenwirtin „Mandy“ aus Berlin-Kreuzberg: Mandy besitzt eine nicht sehr erfolgreiche Kneipe in Berlin- Kreuzberg. Um den Umsatz zu steigern, beschließt sie, die Getränke der Stammkundschaft – das sind hauptsächlich alkoholkranke Hartz-IV-Empfänger – auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren. Als gewiefte Investmentbanker die Bierdeckel, auf denen die Schulden der Stammkunden notiert sind, zur Refinanzierung in verbriefte Schuldverschreibungen umtaufen, nimmt die Krise ihren Lauf…
Selsingens Ehrensamtgemeindebürgermeister Hans-Hermann Brandt und der ehemalige Zevener Schulleiter Ruud Witte präsentierten in Frack und Zylinder eine umjubelte und mit stürmischem Applaus bedachte Persiflage auf aktuelle tagespolitische Geschehnisse. Auch bei Festredner Wolfgang Börnsen blieb kein Auge trocken, als er in herrlichem Holsteiner Platt schilderte, wie die Nordfriesen einst die Demokratie in England einführten, sie den Briten das Fußballspielen mittels einer Schweinsblase beibrachten und wie Angela Merkel eine gemeinsame Ballonfahrt mit dem Papst, Barack Obama, Hillary Clinton und Nicolas Sarkozy überlebte.
Börnsen bezeichnete Minister Hans Heinrich Ehlen als „guten Futterverwerter“ und den gastgebenden Samtgemeindebürgermeister Werner Borchers als „König von Selsingen“.

Jede Krise gemeistert

Auch Albert Rathjen und Hermann Luttmann durften sich außergewöhnlicher Attribute erfreuen, die ihnen der Redner zudachte. Bei allem Spaß aber wurde Wolfgang Börnsen zum Schluss einmal kurz ernst und forderte dazu auf, mutig in die Zukunft zu schauen: „Wir Deutschen haben noch jede Krise gemeistert. Und auch jetzt werden wir die Ärmel wieder hochkrempeln.“
Nach einem derart heiteren Vortrag war es selbst für den für seinen Humor bekannten Minister Hans Heinrich Ehlen nicht leicht, „so een Füürwark“ zu toppen. Aber der „Minister für Essen und Trinken“ schaffte es. Mit der Geschichte vom kranken Pferd und dem mit ihm befreundeten Schwein, das nach seiner Hilfeleistung für das Ross „zum Dank“ vom Bauern geschlachtet wird. Natürlich erzählte Ehlen diese Geschichte ebenfalls „op Platt“. Und selbstverständlich tobten die Christdemokraten im Saal vor Begeisterung.
Statt trockener Politik bestimmte an diesem Abend – einmal im Jahr am Aschermittwoch – der Humor das Geschehen. Und dass soll auch in Zukunft so bleiben.


Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen aus Schleswig-Holstein sorgte in Selsingen mit einer humorvollen Aschermittwochs-Rede für stürmischen Applaus seiner Parteifreunde.
Fotos: bz/mg


Sie lieferten eine herrliche Persiflage
auf die aktuelle Tagespolitik:
Ruud Witte (links) und Hans- Hermann Brandt.


„Darauf müssen wir anstoßen“:
Selsingens Samtgemeindebürgermeister
Werner Borchers (links) und Gastredner W. Börnsen.


Der Grünkohl kann serviert werden: CDU-Gemeindeverbands-
Vorsitzender Johann-Hinrich Meyer (links), Dr. Martina Krogmann
und Landrat Hermann Luttmann freuen sich auf das krause Wintergemüse.